Weiterhin heftige Kontroverse um die Leistikowstraße

22.05.2013 Landeszentrale für politische Bildung

Stellungnahme:

Stellungnahme zum von Prof. Benz als Herausgeber zu verantwortenden Buch: „Ein Kampf um Deutungshoheit – Politik, Opferinteressen und historische Forschung – Die Auseinandersetzung um die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam“. Der Titel des Buches deutet es an – einige Beiträge befassen sich ganz konkret mit den Auseinandersetzungen um die Gedenkstätte Leistikowstraße. Auf diese Beiträge bezieht sich unsere Stellungnahme. In diesen Beiträgen werden unser Verein, MEMORIAL Deutschland e.V. und die Zeitzeugeninitiative (Sie vereint in sich die überwiegende Mehrzahl der noch lebenden bekannten ehemaligen Gefangenen des KGB-Gefängnisses) zu Unrecht als Verursacher der Auseinandersetzungen um die Gedenkstätte Leistikowstraße hingestellt. Uns wird vorgeworfen, wir seien getrieben von Emotionalität und Deutungsanspruch und würden die Kompetenz der Historiker nicht anerkennen. In dem Buch wird unser Engagement einseitig dargestellt, es werden fehlerhafte, diskriminierende oder polemische Aussagen über uns gemacht. Es gibt keine detaillierte Auseinandersetzung mit unseren Argumenten. Viele unserer Argumente werden gar nicht genannt. Wir hatten nicht die Möglichkeit, unsere Positionen in einem Beitrag dieser Veröffentlichung darzulegen. Keiner der im Buch vertretenen Autoren hat mit uns geredet. Obwohl wir vor Drucklegung Prof. Benz sogar mehrfach darauf hingewiesen haben, haben wir nichts erreichen können. Keiner von uns ist heute auf dem Podium vertreten. Dadurch erhält die Öffentlichkeit ein falsches Bild von unseren Anliegen und über die wahren Ursachen der Konflikte in der Gedenkstätte Leistikowstraße. Das ist unseriös. Uns ging es nie um den Kampf um Deutungshoheit. Zeitzeugenberichte und wissenschaftliche Arbeit gehören zusammen. Uns war der Diskurs wichtig, der in der Gedenk- und Begegnungsstätte nicht stattfand. Zeitzeugen und Vereine wurden von einer gemeinsamen konzeptionellen, inhaltlichen Arbeit in der Gedenk- und Begegnungsstätte von der Leiterin Dr. Reich ausgeschlossen und die ansehnliche Reihe von Veröffentlichungen von Zeitzeugenberichten ehemaliger Häftlinge dieses Gefängnisses aus der Gedenkstätte verbannt. Daher ist es besonders bedauerlich, dass es Wolfgang Benz mit dem von ihm zu verantwortendem Buch nicht gelungen ist, zur Beilegung des Streites beizutragen. Das Buch verstärkt das – aus Sicht der Autoren angeblich zu Recht bestehende – Misstrauen gegenüber den Forderungen der unschuldig Verfolgten des Kommunismus und ihrer Unterstützer mit pseudowissenschaftlichen Begründungen. Das führt zu einem würdelosen Umgang mit den Verfolgten. Natürlich sind wir beunruhigt, da es immer schwierig ist, wenn erst mal etwas in die Welt gesetzt ist, es zu korrigieren. Beispiele aus dem Buch Zitate, Wolfgang Benz, Einleitung S. 15 und 14: „Durch Demonstrationen auf der Straße, Aufruhr in den Medien oder politischen Kompromiss, der Sachkunde Gefühlen nachordnet und Bauernopfer sucht, um zu beschwichtigen, wird dem notwendigen Erinnern und Gedenken nur geschadet“ „Die Positionen sind charakterisiert durch das Plädoyer des Zeitzeugen für autonome Emotionalität auf der einen und die des Historikers für die Regelhaftigkeit der Dokumentation und Analyse historischen Geschehens auf der anderen Seite.“ Unsere Stellungnahme: Es geht uns und den Zeitzeugen um Wahrhaftigkeit und nicht wie Wolfgang Benz uns in seiner Einleitung unterstellt, dass wir Sachkunde Gefühlen nachordnen und Bauernopfer suchen. Sachkunde war uns immer wichtig. Sachkunde und Gefühle, Emotionalität und Regelhaftigkeit schließen sich nicht gegenseitig aus. Hier wird ein künstlicher Gegensatz aufgebaut. Bei uns und den Zeitzeugen standen Gefühle nie einseitig im Vordergrund. Mit Bauernopfer ist wohl Dr. Reich gemeint, deren Rücktritt gefordert worden war. Von einer Gedenkstättenleiterin erwarten wir, dass sie mit Zeitzeugen umgehen kann, Empathie hat, integrieren kann und mit uns im guten Einvernehmen zusammenarbeitet. Wir erwarten, dass sie die Stiftungssatzung erfüllt. Dass wir Dr. Reich gegenüber misstrauisch geworden sind, was ihre wissenschaftliche Kompetenz anbelangt, ist vor dem Hintergrund der von uns über Jahre gemachten negativen Erfahrungen mit ihr zu sehen. Bestätigt wurden unsere Bedenken bei der Erarbeitung der Dauerausstellung unter ihrer Verantwortung. Die Konzeption der Ausstellung, vor allem aber die Ausstellungstexte selbst sind vom Beirat wegen großer Mängel abgelehnt worden, Gutachten wurden eingeholt und danach wurden die Texte mehrfach überarbeitet, so dass die gröbsten Fehler beseitigt werden konnten. Befriedigend ist das Ergebnis nun an einigen Stellen, aber – wie der Staatssekretär Gorholt selbst auf einer vom Verein organisierten Veranstaltung in der Leistikowstraße öffentlich feststellte – es fehlen wichtige Teile wie z.B. der Gulag oder Widerstandsgruppen, die nachgearbeitet werden sollen. Ein weiterer großer Mangel: Die wahrhaftige Darstellung des Leids der ehemaligen Häftlinge im Kontext der Zeit kommt zu kurz. Zitat, Peter Jochen Winters S. 40: „Infolge mangelnder Überprüfung der Mitglieder ist nicht auszuschließen, dass sich ehemalige Spitzel des sowjetischen Geheimdienstes oder des MfS in den Verein einschleichen konnten.“ Unsere Bemerkung dazu: Das erinnert an Stasi-Methoden: Misstrauen sähen. Die Gruppe verunsichern. Oder welchen Sinn könnte dieser Satz haben? Das soll wissenschaftlich solide sein? Zitat, Peter Jochen Winters S. 45: „… aus dem Kreis der Häftlinge (wurde) zunächst Günter Martins – der auf Druck seiner Kameraden aus dem Gedenkstätten-Verein sein Amt niederlegte und Platz machen musste für Bodo Platt, den späteren Sprecher der Zeitzeugen-Initiative – vom Kuratorium in den Beirat berufen.“ Unsere Anmerkung: Das ist grob falsch und diffamierend. Günther Martins hat aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als Beiratsmitglied niedergelegt. Zitate, Peter Jochen Winters S. 41 und 45: „Nicht zuletzt der Gedenkstätten-Verein und Memorial Deutschland e.V. betrachteten sich, frei und unkontrolliert schaltend und waltend, gleichsam als Herren des von ihnen als Gedenkstätte betriebenen Hauses, zumal ihnen Unterstützung von der damaligen brandenburgischen Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Johanna Wanka (CDU), zugesagt worden war.“ „Die Vereine hatten wohl zunächst geglaubt, nach Gründung der Stiftung in der Gedenkstätte so weitermachen zu können wie bisher.“ Unsere Stellungnahme: Das ist polemisch und eine Unterstellung. Der Versuch des Autors, die Aktivitäten der Vereine persönlich zu diskreditieren, belegt lediglich die Voreingenommenheit des Autors. Zitat, Peter Jochen Winters S. 46: „Von Jungnickel im Auftrag des Gedenkstättenvereins gedrehte Zeitzeugeninterviews …wurden der Gedenkstättenleitung bei der Erarbeitung der Dauerausstellung verweigert“ Unsere Stellungnahme: Das stimmt nicht. Die Gedenkstätte hatte die Übernahme an Vereinbarungen geknüpft, die der Verein nicht akzeptieren konnte. So sollte der Verein z.B. die uneingeschränkte rechtliche Verfügbarkeit des Materials garantieren und damit mehr Rechte gewähren, als er selbst hatte. Ein Dr. Reich persönlich ausgehändigter Vertragsentwurf wurde erst gar nicht beantwortet. Nach mehreren Nachfragen verwies uns Prof. Morsch letztlich wieder an Dr. Reich. Wir sind erreichbar Dr. Richard Buchner : 030 8012471 richard.buchner@web.de Gisela Rüdiger: 0331 270045 giselapotsdam@tele2.de)

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