Nachruf für engagierte Historikerin
Volker Oelschläger, MAZ am 10.01.24
Die Zuwendung der Historikerin Gisela Kurze zu den Überlebenden des ehemaligen KGB-Gefängnisses in der Potsdamer Leistikowstraße war einmalig. Das schreiben ihre Mitstreiter in einem Nachruf.
Nauener Vorstadt. Über Jahrzehnte hat sich die Berliner Historikerin Gisela Kurze für die Erhaltung der Spuren des ehemaligen KGB-Gefängnisses in der Leistikowstraße für die Nachwelt eingesetzt: „Als originäres Relikt totalitärer Herrschaft ist es deutschlandweit einmalig“, sagte sie. Ihr Credo: „Dieses Haus muss in seinem Ist-Zustand konserviert werden.“ Seit 1995 engagierte sie sich im Verein Arbeitsgemeinschaft Gedenk- und Begegnungsstätte Ehemaliges KGB-Gefängnis Potsdam.
Gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen sorgte sie dafür, dass der einstige Schreckensort für Publikum geöffnet wurde, organisierte Führungen, sammelte Spenden, recherchierte die Geschichte des Tatortes und die Biographien von einst Inhaftierten.
Über Potsdam nach Workuta
„Sie wollte aufklären und an diese Menschen erinnern“, schreibt der Verein in einem Nachruf für die Historikerin: „Deutsche Jugendliche, die Widerstand leisteten gegen die Sowjetisierung der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR, Angehörige der sowjetischen Besatzungstruppen, die ihre brutale Behandlung nicht aushielten, oder Menschen, die für westliche Geheimdienste arbeiteten, um für eine Demokratisierung der DDR zu kämpfen.“
Gisela Kurze wirkte maßgeblich mit an der ersten Ausstellung „Von Potsdam nach Workuta“, die an die Rolle des einstigen Pfarrhauses als Durchgangsstation zu Stalins Gulag-System plastisch werden ließ. Sie kämpfte erfolgreich dafür, dass das ehemalige Gefängnis Gedenkstättenstatus und Förderung bekam.
2007 ist sie für ihr Wirken mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg ausgezeichnet worden. Erst jetzt ist bekannt geworden, dass Gisela Kurze am 2. Dezember 2023 im Alter von 87 Jahren verstorben ist: „Unser Verein denkt in Dankbarkeit an sie zurück“, heißt es im Nachruf: „Ihre Zuwendung zu den Überlebenden war einmalig.“

