Korrekturen in der Leistikowstraße

20.08.2012    Märkische Allgemeine
Ausstellung im ehemaligen KGB-Gefängnis soll überarbeitet werden – allerdings nicht grundlegend

Von Nadine Fabian

Die umstrittene Ausstellung im einstigen KGB-Gefängnis in der Leistikowstraße wird überarbeitet. Das teilte Staatssekretär Martin Gorholt (SPD) bei einer Podiumsdiskussion am Freitagabend mit. „Es geht aber nicht um eine grundlegende Überarbeitung“, sagte Gorholt. „Diese lehnen wir als Kuratorium ab und halten sie nicht für nötig.“

Zu der Aussprache hatten die Vereine „Gedenk- und Begegnungsstätte ehemaliges KGB-Gefängnis Potsdam“ und „Memorial Deutschland“ geladen. Noch bevor in der Gedenkstätte im April die Dauerausstellung eröffnet wurde, hatten Opferverbände und Aufarbeitungsinitiativen das Konzept als unseriös und einseitig kritisiert. Zeitzeugen beklagen, dass sie in die Arbeit der Gedenkstätte nicht genügend einbezogen werden und dass an das Leid der Opfer nicht angemessen erinnert werde. Der Streit zwischen Opfern stalinistischer Gewalt und der Gedenkstättenleitung hält seither an.

Die geplanten Korrekturen scheinen zumindest ein kleiner Schritt in Richtung Annäherung zu sein. Wie fern aber eine Einigung ist, zeigte das von Julius Schoeps moderierte Gespräch. Der Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums betonte, dass Streit stets befruchte: „Es ist viel schlimmer, wenn überhaupt nicht geredet wird.“ An der Debatte nahmen neben Gorholt, der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen Hubertus Knabe, die DDR-Oppositionelle Vera Lengsfeld, die FDP-Landtagsabgeordnete Linda Teuteberg und die Leiterin der Gedenkstätte Ines Reich teil. Auch wenn die Debatte ruhig und sachlich verlief – Reich wurde erneut harsch angegriffen. Kritik hagelte es sowohl aus dem Podium als auch aus den Zuhörerreihen. So warf ihr Dirk Jungnickel, zweiter Vorsitzender der Gedenkstätten-kritischen Zeitzeugeninitiative, wissenschaftliches Versagen vor. Die Ausstellung sei weichgespült, politische Aufklärung finde nicht statt. Der Ort sei zudem kühl und unemotional: „Dies ist für mich keine Gedenkstätte.“

Auch Knabe ging mit Reich hart ins Gericht. „Ein Leiter eines solchen Hauses muss zuhören, das Wesentliche aufnehmen und integrieren können. Wenn ein Leiter das nicht kann, dann ist er an der falschen Stelle.“ Er forderte, die Ausstellung grundlegend zu überarbeiten. So finde sich im gesamten Haus kein einziges Mal das Wort Kommunismus. Zudem sei die Sprache kompliziert und mit Worten gespickt, die nur wenige – sicher keine Jugendlichen – verstünden. „Diese Sprache ist verräterisch.“ Sie diene dazu, zu neutralisieren und zu verharmlosen. Die Dinge seien jedoch zu benennen, wie sie waren: „Hier sind Menschen tyrannisiert worden, um eine Diktatur durchzusetzen: und zwar eine kommunistische.“

Vera Lengsfeld warf der Gedenkstätte gar Geschichtsfälschung vor. Linda Teuteberg meinte indes, dass die Schau ihren Zweck, an das Leid zu erinnern und die Besucher zu informieren, „voll umfänglich“ erfülle. Dennoch halte sie Ergänzungen für sinnvoll. Ines Reich konterte die Kritik. Sie freue sich über die Runde: „Viele Augen, die auf einen Ort schauen, machen das Bild bunter.“

Gorholt überraschte seine Mitredner mit dem Bekenntnis, dass er und das Kuratorium die Ausstellung „inzwischen für eine sehr gute“ halten. Zum einen hätten ihm ehemalige Häftlinge gesagt, dass sie sich darin gut wiederfinden. Zum anderen würde sie umfassend informieren. Dennoch sei mit dem Ministerium vereinbart, dass „Dinge geändert“ werden. So seien Informationen über das Gulag-System und Widerstandsgruppen zu ergänzen.

Reich erklärte, dass tatsächlich drei wichtige – aber fest geplante – Elemente fehlen: die geforderte Gulag-Dokumentation, ein Modell von Haus und Umkreis sowie ein Buch mit den Namen der identifizierten Häftlinge. Bisher war laut Reich dafür kein Geld da.

Schreibe einen Kommentar