Gedenkstätte im Potsdamer KGB-Gefängnis eröffnet

Platzeck und Neumann erinnern an Leid von Häftlingen – Opferverbände protestieren mit Menschenkette

21.04.2012   Evangelischer Pressedienst

Der große befürchtete Eklat blieb aus. Kein einziger Buhruf störte am Mittwoch in Potsdam die Eröffnung der Gedenkstätte am Ort des ehemaligen KGB-Gefängnisses. Und doch war der Konflikt mit zwei Opferverbänden allgegenwärtig, als Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) das kleine Haus in der Leistikowstraße der Öffentlichkeit übergaben.

Der stalinistische Terror habe es zu einem „Ort von Unrecht, Willkür, Gewalt und unvorstellbaren Leid“ gemacht, betonte Platzeck in seiner Ansprache vor einer gemeinsamen Kranzniederlegung. In dem ehemaligen evangelischen Pfarrhaus nahe des Schloss Cecilienhofs hatte der sowjetische Geheimdienst zwischen 1945 und 1994 eine unbekannte Anzahl von Menschen inhaftiert.

Die neue rund 1.000 Quadratmeter große Dauerausstellung umfasst rund 400 Fotos, Dokumente und Medienstationen. Dabei werden insgesamt 50 Häftlingsschicksale exemplarisch dargestellt. Für die Realisierung stellten Bund und Land knapp 800.000 Euro zur Verfügung.

Nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte aus Ostdeutschland 1994 nutzten zunächst ein Gedenkstättenverein sowie eine Zeitzeugeninitiative das Haus als Veranstaltungsort. Erst dadurch rückte die Geschichte des 1916 erbauten Hauses inmitten eines früher hermetisch abgeschlossenen Militärareals in das Bewusstsein.

Sowohl Platzeck wie auch Neumann würdigten daher unter lautem Beifall der 400 eingeladenen Gäste die Verdienste dieser beiden Initiativen. „Es ist immer klug, Opfer und Zeitzeugen in die Gestaltung einer Gedenkstätte einzubeziehen“, sagte der Kulturstaatsminister.

Mit Gründung einer eigenen Stiftung innerhalb der landeseigenen Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten begannen dann Ende 2008 die Vorbereitungen zunächst für eine vorläufige und dann für die endgültige Dauerausstellung, wie sie ab Donnerstag zu sehen ist. Gedenkstättenverein und Zeitzeugen-Initiative werfen der Stiftung nun vor, die Dramatik der Häftlingsschicksale zu wenig in den Vordergrund zu stellen und aus dem Haus ein „KGB-Museum“ gemacht zu haben. Vor vier Wochen kam es sogar zu einem tätlichen Angriff eines ehemaligen Häftlings auf die heutige Gedenkstättenleiterin Ines Reich.

„Offensichtlich gehen die Erwartungen auseinander“, resümierte Reich den Streit am Rande der Eröffnung. „Wir wollten ein modernes zeithistorisches Museum, andere eher ein Mahnmal.“ Reich bekräftigte ihr Angebot einer weiteren Zusammenarbeit. Für die Zeitzeugen-Initiative erklärte hingegen bei einer Pressekonferenz in der nahegelegenen Villa Quandt der ehemalige Häftling Bodo Platt: „Ziel war, uns auszugrenzen.“ In der Dauerausstellung fehle „der Mensch“.

Der sichtlich in dem Streit um Vermittlung bemühte Ministerpräsident warb daher in seiner Ansprache dafür, gemeinsam Chancen für Verbesserungen der Dokumentation auszuloten und umzusetzen: „Wo sich etwas verbessern lässt, sollten wir das tun“, sagte Platzeck.

Inwieweit Gedenkstättenverein und Zeitzeugen-Initiative die ehemaligen Häftlinge repräsentieren, ist unklar. An einer Menschenkette „zum Gedenken an die Opfer kommunistischer Gewalt“ mit rund 50 Menschen nahmen am Mittag nur einige wenige von ihnen teil. Beide Verbände fordern mittlerweile die Abberufung Reichs. Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten verwies ihrerseits darauf, dass sie mit einer Vielzahl von Opfern in Kontakt stehe.

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