Gedenken an den 18. April 1946 am 17. April 2019

Am 18. April 1946 wurden drei 16-jährige Schüler des Einstein-Gymnasiums in Potsdam erschossen. Der vierte von ihnen (15 Jahre jung) wurde zu 20 Jahren Arbeitslager „begnadigt“: Hermann Schlüter. Wegen seiner miserablen Gesundheit wurde er aber nicht ins sowjetische GULAG deportiert, sondern nach Torgau und Bautzen. ¬In hohem Alter ist unser Zeitzeuge Hermann Schlüter 2018 in Potsdam verstorben. Den vier Schülern und allen unschuldig Inhaftierten – oder Menschen mit geringer individueller Schuld, die den gnadenlosen Strafen des damals stalinistischen Systems zum Opfer gefallen sind – gilt unser Gedenken. Wegen des Gründonnerstags am 18. April diesen Jahres findet unser Gedenken schon am Vorabend statt.
Mittwoch, 17. April 2019: ab 16.30 – Führung durchs Haus (mit Dr. Richard Buchner)
Um 17.30 Uhr – Zeitzeugen-Gespräch mit Margot Jann (Frauengefängnis Hoheneck), Helga oder Helene Sereda (Workutá), Gerd Taege (AG Lager Sachsenhausen 1945-50), und Margot Bonk (der Schwester eines der getöteten Schüler)
18.30 Uhr – Kranzniederlegung durch Repräsentanten von Politik und Gesellschaft im Land Brandenburg und durch befreundete Verbände.
Gedenken an Horst Schüler, den langjährigen Vorsitzenden der Lagergemeinschaft Workutá und der Union der Opferverbände U O K G (Bundesverdienstkreuz)
Alle demokratischen Parteien im Landtag und in der Stadt Potsdam sind herzlich eingeladen. Wie alljährlich sollen Kränze oder Blumen an den beiden Gedenktafeln an der Mauer des Gefängnisses abgelegt werden.
Horst Schüler, geboren 1924 in Potsdam, ist der Sohn eines Sozialdemokraten, der in Potsdam von den Nazis verhaftet und im KZ Sachsenhausen umgebracht worden ist. Als Sohn eines ermordeten Antifaschisten hatte der junge Horst Schüler den Mut zur Kritik an manchen Missständen im SED-Staat. Verhaftet in Potsdam 1951, verurteilt wegen „Spionage“ zu 25 Jahren GULAG – Heimkehr aus Workutá 1955. Horst Schüler war auch unserer Gedenkstätte in Potsdam sehr freundschaftlich verbunden. Überaus engagiert und aktiv bis zuletzt, ist er nun am 27. März 2019 in hohem Alter verstorben. Wir werden ihn niemals vergessen.
Lernort für Demokratie“ – so wurde unsere Gedenkstätte von einer Potsdamer Zeitung benannt. An diesem Tag soll vor allem der Opfer des stalinistischen Terrors gedacht werden – Menschen von höchst unterschiedlichem Alter, Männer und auch Frauen, zudem auch Jugendliche. – Sie alle gerieten in die Hände sowjetischer Geheimdienste infolge des verbrecherischen Krieges und der Shoah – doch ihre individuelle Schuld wurde niemals rechtsstaatlich überprüft. Willkür-Urteile und grausame Strafen waren die Realität in diesem Hause.
Die neue Ergänzung der Dauerausstellung zur >Zeit danach: Stasihaft oder GULAG< ist gleichfalls sehenswert.
Mit herzlichem Dank an alle, die an unserem Gedenken teilnehmen wollen,
für den Vorstand des Gedenkstätten-Vereins
Dr. Richard Buchner

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