Der Verein Gedenk- und Begegnungsstätte ehemaliges KGB-Gefängnis Potsdam möchte auch in diesem Jahr an die vielen zu Unrecht in dem ehemaligen Gefängnis in der Leistikowstraße Inhaftierten erinnern. Alljährlich haben wir am 18. April Kränze oder Blumen an den beiden Gedenktafeln an der Mauer des Gefängnisses abgelegt, was in diesem Jahr nicht möglich ist. Am 18. April 1946 wurden die drei 16-jährigen Schüler Klaus Tauer, Klaus Eylert und Joachim Douglas des heutigen Einstein-Gymnasiums in Potsdam erschossen – nur Herrmann Schlüter wurde zu „20 Jahren Arbeitslager“ begnadigt. Als der Schulunterricht im Herbst 1945 wieder begann, war nur noch etwa die Hälfte der Schüler der alten Klasse anwesend. Etliche waren mit ihren Eltern geflohen, andere sind in den letzten Kriegstagen umgekommen. Am Russischunterricht in dieser Schule wollten jedoch viele Schüler aus der Klasse nicht teilnehmen, sondern spielten lieber Fußball. Noch im Frühjahr hatten sie bei Krampnitz Schützengräben ausheben müssen und eine militärische Ausbildung im Bornstedter Feld erhalten. Im Oktober 1945 wurden die Schüler Fuhrmann, Theo Waßmer und Joachim Douglas aus dem Unterricht heraus vom sowjetischen Geheimdienst abgeholt und wenige Tage später wieder entlassen. Zwei von ihnen flohen über die Glienicker Brücke in den Westen. Joachim Douglas blieb. Im November wurde auch Klaus Tauer aus dem Unterricht heraus verhaftet und am 18. Dezember wurden Herrmann Schlüter und Klaus Eylert früh morgens aus ihren Betten geholt. Joachim Douglas wurde ein paar Tage später, am 24. Dezember, wieder verhaftet. Sie wurden in das Haus in der Victoriastraße 54, der heutigen Geschwister-Scholl-Straße, gebracht, gefoltert und zum Tode wegen angeblicher „feindlicher Einstellung zur Sowjetunion und Wehrwolf-Tätigkeit“ verurteilt. Nach der Verurteilung wurden alle mit einigen zum Tode verurteilten Offizieren der Wlassowarmee und zwei weiteren Offizieren in das Gefängnis in die Leistikowstraße gebracht. Ihre Gnadengesuche wurden abgelehnt, nur Hermann Schlüter, der jüngste wurde begnadigt. Hermann Schlüter verstarb am 15.5.2018 in Potsdam. Alle vier wurden am 11. März 1993 rehabilitiert. An diese Schicksale möchten wir an diesem 18. April stellvertretend für alle zu Unrecht Inhaftierten, die dem Terror der sowjetischen Geheimdienste ausgesetzt waren, in stillem Gedenken erinnern. (Zwischen Herbst 1945 und Frühjahr 1946 sind 56 Jugendliche und Kinder von Potsdam zum Tode oder zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden, davon sind 14 erschossen worden — Zusammenstellung von Benno Prieß in „Erschossen im Morgengrauen“)
Einladung zum „Stillen Gedenken“ am 18. April 2019
- Beitrags-Autor:Lutz
- Beitrag veröffentlicht:25. November 2025
- Beitrags-Kategorie:Veranstaltungen
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